Plug-in-Hybrid aus Italien: Im aufgefrischten Tonale bietet Alfa Romeo die Kraft der zwei Herzen

Es war ein Paukenschlag von Alfa Romeo, als diese italienische Tochter des multinationalen Stellantis-Konzerns im Oktober 2025 ihre „angepasste Modellstrategie“ öffentlich verkündete. „Die Automobilbranche befindet sich derzeit in einer beispiellosen Transformationsphase“, hieß es zur Begründung des Updates. „Ziel der Marke“ sei es, „sicherzustellen, dass alle künftigen Modelle einer Multi-Energy-Strategie folgen, die die wichtigsten Marktsegmente abdeckt und den Anforderungen der jeweiligen Märkte gerecht wird“. Ein wichtiges Element dieser Offensive – das Entwickeln neuer Hybridfahrzeuge.

Diese Annonce aus Turin erinnerte stark an jene Kurskorrektur, die Alfa Romeos Rüsselsheimer Schwesterlabel Opel vorgenommen hatte – und von Elektroauto-News im August exklusiv vermeldet worden war: Das Label mit dem Blitz im Logo rückt von seinem rigiden Vollstromer-Ukas für 2028 ab. Im Hinblick auf die umfassende Dekarbonisierung bestätigte damals eine Opel-Sprecherin: „Aktuell prüfen wir unsere entsprechenden Planungen und passen Sie an die neuen Bedingungen an“.

Kein Zweifel, im Hause Stellantis lässt der erst seit Juni amtierende CEO Antonio Filosa schleunigst Platz schaffen für mehr elektrifizierte Antriebsarten rund um „die Kraft der zwei Herzen“: Verschiedenste Verbindungen von Verbrennungsmotor und Elektromaschine sollen das beste aus beiden Welten zusammenführen. Grund genug für Elektroauto-News, sich intensiv mit einem der jüngsten Vertreter der Plug-in-Hybridtechnologie zu beschäftigen – dem SUV Alfa Romeo Tonale.

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In gerade erst modellgepflegter Version („Facelift“). Mit der stärksten Motorisierung „1,3 PHEV Q4“, die immerhin 199 kW/ 270 PS bietet. Und als Topversion „Sport Speciale“ – mit einem Grundpreis von stolzen 62.100 Euro. „Der Alfa Romeo Tonale Ibrida Plug-In Q4 (…) bietet serienmäßig Alfa Q4 Allradantrieb (e4WD): Der Verbrenner überträgt seine Kraft mittels eines Sechsgang-Automatikgetriebes auf die Vorderachse, der Elektromotor treibt die Hinterachse an“, lässt der Hersteller dazu wissen.

Als erster persönlicher Eindruck dies, da es die Elektroauto-News-Leserschaft am meisten interessieren dürfte: Das Miteinander von Benziner und E-Aggregat funktioniert summa summarum prima im Tonale. In diesem Fall stimmt, was der Anbieter verspricht: „Die Übergänge zwischen reinem Verbrennerbetrieb und Unterstützung beziehungsweise Übernahme durch den Elektromotor (sind; Anm. d. Red.) kaum noch wahrnehmbar, was sich positiv auf den Komfort auswirkt“.

Batterie bringt Gewicht – und doch wäre ein größerer Akku fein

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Nickel-Mangan-Kobalt-Traktionsbatterie gern mehr Kapazität bieten dürfte als jene aktuellen 15,5 kWh, die für lediglich rund 60 bis 80 Kilometer im urbanen E-Betrieb ausreichen. Nach jeder „Leerfahrt“ lasse sich der Lithium-Ionen-Akku in 306-Volt-Technologie „mit dem 7,4-kW-Schnellladegerät (…) in nur 2,5 Stunden voll aufladen“, so Alfa Romeo.

Versuchsweise Strom gezapft hat Elektroauto-News mit dem Testwagen an der mittleren von drei Moon-Power-Wallboxen, die in der Mahag-Tiefgarage direkt neben dem Hotel Holiday Inn Munich City Centre montiert sind. Das war komfortabel – zugleich allerdings vergleichsweise kostspielig.

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Bequem insofern, als ein separater Fahrstuhl in besagter Münchner Herberge an der Hochstraße neben der Etage „-1/ S-Bahn“ auch das Stockwerk „-2/ Garage“ anfährt. Kurze Wege sind eine feine Sache etwa für nicht nur des Tragens müde Dienstreisende mit allerlei Koffern, Taschen und Warenmustern im geräumigen Alfa-Romeo-Gepäckraum. Oder für Tonale-Touristen auf Innenstadt-Erkundungstour. So liegt der Gasteig, nach eigenen Angaben „Europas größtes Kulturzentrum“, nur wenige Schritte entfernt vom Holiday Inn Munich City Centre.

Teuer wiederum war das Energiezapfen insofern, als für die binnen zwei Stunden und sieben Minuten zugeladenen 13,63 kWh aus der Moon-Power-Installation satte 12,13 Euro fällig wurden. Ein Schnäppchen sind 89 Cent pro Kilowattstunde – in unserem Fall abgerufen über eine „M“-Hypernetzkarte von EnBW – keineswegs. Alternativ würde sich hier der Ladetarif der Stadtwerke München (SWM) anbieten. Mit diesem werden nur 0,49 Euro/ kWh fällig.

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Lob für das Navi, Tadel für den Tempowarner

Auf Anfrage der Redaktion teilte Holiday Inn mit, „dass Ladestationen kein Markenstandard (…) sind“. Vielmehr würden „Ladestationen vom jeweiligen Hotel bereitgestellt“. Das heißt, dass die nächstgelegene Zapfsäule im Einzelfall also durchaus auch weiter entfernt liegen kann als bei unserer Stromspeicher- und Übernachtungsaktion.

Apropos: Um eine drohende Blockiergebühr zu vermeiden, haben wir den Tonale nach dem Andocken bei Moon Power auf einen der normalen Tiefgaragenstellplätze umgeparkt. Und das Holiday Inn Munich City Centre ist insgesamt empfehlenswert, denn hinter seiner trist grauen Fassade warten auf die Gäste eine umso buntere Lobby mit Bar-, Chill- und Restaurantbereich sowie modern eingerichtete Zimmer.

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Ein zeitgemäßes Interieur findet sich ebenfalls im Tonale Ibrida Plug-In Q4. Wie schon in Alfa Romeos Vollstromer Junior Elettrica, den Elektroauto-News vor gut einem Jahr ausprobiert hatte, gilt auch für dessen größeren SUV-Bruder mit Facelift: „Platz an der Wonne ist (…) eindeutig jener hinter dem Lenkrad“.

Ein angenehm zuverlässiges Navigationssystem versorgt Fahrerin oder Fahrer mit rechtzeitigen und präzisen Zielführungssignalen in Wort und Bild; der Zentralmonitor mit Touch-Funktion hat ein vernünftiges 10,25-Zoll-Format. Wermutstropfen: Die automatische Geschwindigkeitserkennung ist leider nicht sonderlich verlässlich; mal werden Verkehrsschilder zu Tempolimits detektiert, allzu häufig jedoch erheblich zu spät oder auch gar nicht. Das unten abgeflachte Sportlenkrad liegt griffig in den Händen und ist beheizbar. Gut so.

Ein sportives Auto, aber kein rasantes

Nicht gelungen finden wir die Hartplastikanmutung des oberen Teils der Cockpitverkleidung. Dort haben sich bei Stellantis augenscheinlich die Kostenhygieniker gegen das Designteam durchgesetzt. Dass es auch anders geht, beweisen ein mit Alcantara bezogenes Dekor-Element an der Armaturentafel sowie eine Zierleiste in Aluminium-Optik mit sogenanntem Speciale-Muster und Ambiente-Beleuchtung.

Die Vordersitze sind langstreckentauglich, wie unsere insgesamt 1462 Testkilometer aus dem Raum Frankfurt am Main nach Linz in Österreich und retour über Salzburg aufzeigten. Zum Hingucken schön – die gestickten Alfa-Romeo-Logos auf den Kopfstützen. Zum Hinsetzen einladend – die überraschend kommoden Plätze auf der Rückbank, zumutbar selbst stattlichen Menschen wie dem 1,96 Meter langen Autoren dieser Zeilen.

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Das Active-Suspension-Fahrwerk des Tonale haben die Ingenieure ausgewogen abgestimmt, die Sportbremsanlage von Zulieferer Brembo packt bissig zu. Ein Sportwagen ist dieser Alfa Romeo nicht. Ein flottes Reisemobil aber schon – bei voller Beschleunigung vergehen 6,2 Sekunden aus dem Stand bis zum Erreichen von Tempo hundert, und die Höchstgeschwindigkeit beträgt 206 km/ h.

In der Länge misst der Tonale 4,53 Meter, deren 2,08 in der Breite, und handlich fühlt er sich an. In der Stadt, auf Landstraßen, im Autobahnbetrieb.

Schade, dass er nicht als reiner Stromer erhältlich ist.

Ja, für diesen Plug-in-Hybriden kann Elektroauto-News unter dem Strich eine Kaufempfehlung geben.

Nein, für das Unternehmen dahinter gilt das nicht: „Alfa Romeo is not for sale“, mit diesen Worten tritt Santo Ficili, der CEO des Traditionshauses, den Gerüchten über eine Veräußerung der Stellantis-Marke unmissverständlich entgegen.

Disclaimer: Stellantis hat den Alfa Romeo Tonale zur Verfügung gestellt, Holiday Inn zur Übernachtung in München eingeladen. Beides hat jedoch keinerlei Einfluss auf unsere hier geschriebenen ehrlichen Meinungen.

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